120 Jahre ŠKODA Motorsport: Teil 1

120 Jahre ŠKODA Motorsport: Teil 1

ŠKODA Motorsport blickt auf eine traditionsreiche 120-jährige Geschichte zurück. 1901 startete ein Motorrad der Marke L&K, konstruiert von den Unternehmensgründern Václav Laurin und Václav Klement, bei einem 1.200-Kilometer-Rennen von der französischen Hauptstadt Paris nach Berlin. Nur vier Jahre später schwenkte L&K auf die Produktion von Automobilen um und machte sich fortan einen Namen im Rennsport auf vier Rädern. Die Entwicklung vom ersten Motorrad bis hin zum Underdog 130 LR.




Anfänge und erste Erfolge

Die Liebe zum Rennsport geht auf die Firmengründer Václav Laurin und Václav Klement (L&K) zurück. Zunächst reparierten und produzierten sie Fahrräder in Mladá Boleslav, damals Teil der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, bevor sie bereits 1899 mit der Herstellung von Motorrädern der Marke L&K begannen. Nur zwei Jahre später startete ein L&K Typ B mit Einzylinder-Motor bei einem Langstreckenrennen von Paris nach Berlin. Werksfahrer Narcis Podsedníček erreichte das Ziel in der deutschen Hauptstadt um 3 Uhr morgens als erster Motorradfahrer – zu diesem Zeitpunkt war die offizielle Zeitmessung am Ziel allerdings nicht besetzt. Podsedníček wurde nicht gewertet, blieb jedoch der moralische Sieger.

Obwohl Václav Klement selbst ein begeisterter Motorradrennfahrer war, sahen er und sein Geschäftspartner Václav Laurin die wirtschaftliche Zukunft ihres Unternehmens in Fahrzeugen mit vier Rädern und stellten die Produktion von Motorrädern schließlich ein. Ab 1905 setzten Automobile von L&K die Erfolgsgeschichte des Unternehmens fort. 1908 sorgte die Marke mit dem Geschwindigkeitsrekord eines Laurin & Klement FCS im englischen Brooklands für Aufsehen. Angetrieben von einem rund 100 PS starken Vierzylindermotor erreichte der offene Wagen eine Geschwindigkeit von 118,72 km/h. Ab 1910 gewann das drei Fahrzeuge starke L&K-Werksteam fünf Jahre in Folge eine Goldmedaille bei der berüchtigten Alpenfahrt. 1912 stand erstmals ein Automobil von L&K auf der Teilnehmerliste der Rallye Monte Carlo.

1936 – 1986: ŠKODA etabliert sich als feste Größe im Motorsport

1925 stieg der Pilsener Industriekonzern ŠKODA als strategischer Partner bei Laurin & Klement ein. Daraus ergaben sich neue Möglichkeiten: Die nun unter dem Markennamen ŠKODA gefertigten Automobile setzten Maßstäbe mit innovativen Technologien, zum Beispiel mit Zentralrohrrahmen, Einzelradaufhängung und aerodynamisch fortschrittlicher Karosserie. Im Januar 1936 belegte ein ŠKODA POPULAR SPORT bei der zermürbenden, inklusive Anfahrt fast 4.000 Kilometer langen Rallye Monte Carlo den zweiten Platz in seiner Kategorie. Ein ŠKODA RAPID wiederholte diesen Erfolg ein Jahr später. 1948 erzielte die Marke mit drei serienmäßigen ŠKODA 1101 beim 24-Stunden-Rennen im belgischen Spa-Francorchamps einen Dreifachsieg in ihrer Klasse. Der ŠKODA SPORT, ein zweisitziger Rennwagen auf Basis des ŠKODA 1101, nahm 1950 am berühmten 24-Stunden-Rennen in Le Mans teil. 1953 erreichte der ŠKODA SUPERSPORT dank Kompressoraufladung eine Geschwindigkeit von 197,8 km/h und war damit das schnellste tschechische Auto seiner Zeit. Offene Sportwagen auf Basis des Serienmodells ŠKODA 1101 errangen zahlreiche Siege bei Rundstreckenrennen in Osteuropa. Später bewies der spektakuläre ŠKODA 1100 OHC SPEZIAL einmal mehr, wie die Ingenieure des tschechischen Unternehmens mit hohem technischen Verständnis und genialen Ideen den Einschränkungen hinter dem sogenannten „Eisernen Vorhang“ trotzten. Der offene Zweisitzer mit einer Karosserie aus glasfaserverstärktem Kunststoff war nahezu unschlagbar.

Auf dem Bild ist der ŠKODA 130 RS zu sehen.
Mit dem 130 RS errang ŠKODA 1981 den Herstellertitel in der Tourenwagen-Europameisterschaft.

1959 stellte ŠKODA den OCTAVIA TS vor, der in der Klasse der Tourenwagen mit weniger als 1,3 Litern Hubraum von Erfolg zu Erfolg fuhr. 1961 gewann das finnische Duo Esko Keinänen und Rainer Eklund bei der Rallye Monte Carlo seine Klasse und belegte außerdem einen sensationellen sechsten Platz in der Gesamtwertung. Auch in den Jahren 1962 und 1963 gewannen Crews im ŠKODA OCTAVIA TS jeweils ihre Hubraumklasse.

In den 1960er-Jahren schrieb der 1000 MB für ŠKODA das nächste Kapitel in der Motorsportgeschichte der Marke. Als erstes ŠKODA-Modell mit Hinterradantrieb und Heckmotor sorgte das Fahrzeug auch im Rennsport für technologisch innovative Ansätze. Mit dem Nachfolger ŠKODA 130 RS feierte vor allem der norwegische Rallye-Fahrer John Haugland große Erfolge. Das Fahrzeug, das wegen seines technischen Grundkonzepts den liebevollen Spitznamen

„Porsche des Ostens“ erhielt, gewann seine Klasse bei der Rallye Monte Carlo 1977 ebenso wie bei der Akropolis-Rallye Griechenland in den Jahren 1978, 1979 und 1981. Mit dem 130 RS errang ŠKODA 1981 außerdem den Herstellertitel in der Tourenwagen-Europameisterschaft. Das Nachfolgemodell ŠKODA 130 LR erzielte 1985 und 1986 Klassensiege bei der RAC-Rallye, dem britischen Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft.