Der Exot unter den ŠKODA 130 RS: Prototyp A5

14. 12. 2022

Die Fahrer liebten ihn, die Rivalen fürchteten ihn – und auf den Renn- und Rallyepisten erntete er mehr Respekt als jedes andere ŠKODA Motorsportmodell vor ihm. Lange galt der ŠKODA 130 RS als bester Sportwagen aus Mladá Boleslav, der Heimatstadt von ŠKODA. Kein Wunder, dass das sportliche Coupé zu den größten Legenden des tschechischen Motorsports gehört. Während seiner aktiven Karriere fuhr der „Porsche des Ostens“ bei Rundstreckenrennen und Rallyes in zahlreichen Ländern unzählige Pokale ein. Am bekanntesten ist die Rallye-Variante, mit der der siebenfache Deutsche Rallyemeister und zweifache Klassensieger bei der legendären Rallye Dakar, Matthias Kahle, noch heute regelmäßig bei Veranstaltungen wie dem Eifel Rallye Festival antritt. Die spektakulären Drifts des potenten Hecktrieblers begeistern die Fans auch heute noch. Neben dem Rallye-Boliden entstanden im Laufe der Jahre eine Reihe weiterer, weniger bekannter Versionen des Coupés. In diesem Artikel stellen wir Ihnen den absoluten Exoten unter ihnen vor: den 130 RS A5.

Abtrieb im Fokus der Ingenieure

Ende der 1970er Jahre arbeiteten die ŠKODA Entwickler an einem neuen Prototyp auf Basis des 130 RS. Er trug die interne Bezeichnung Š 738. Sein offizieller Name:  ŠKODA 130 RS A5. Das Auto mit den überdimensionalen Front- und Heckspoilern sowie den extrem breiten Rädern diente als Versuchsträger für spätere Rennfahrzeuge und die Serie sowie als Einsatzfahrzeug bei Rundstrecken- und Bergrennen. Die Motorsport-Ingenieure unterzogen den A5 vor seinen ersten Starts unter anderem ausgiebigen Testfahrten auf dem Flughafen Hoškovice in der damaligen Tschecheslowakei, um die Aerodynamik des Autos so optimal wie möglich zu gestalten.

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Kleine Fähnchen sollten die Luftströme um das Fahrzeug sichtbar machen.

 

Ihr Fokus richtete sich dabei insbesondere auf den Abtrieb des Fahrzeugs, um maximale Kurvengeschwindigkeiten und einen präzisen Geradeauslauf bei hohen Geschwindigkeiten zu erreichen. Diesem Ziel dienten neben Spoilern und breiten Rädern auch der Diffusor und die Aeroflaps. Der Heckspoiler ließ sich je nach Streckenlayout verstellen, um den Anpressdruck des A5 ideal auszubalancieren. Zudem gab es den Frontspoiler des keilförmigen Silhouetten-Rennwagens es in verschiedenen Versionen.

Der „Trick“ mit dem Kühler

Eine besondere Herausforderung für die Entwickler stellte auch die Positionierung des Kühlers dar, der sich beim 130 RS sehr weit vorn befand. Beim A5 versetzten sie ihn kurzerhand weiter nach hinten. Da der 130 RS ebenso wie der A5 von einem Heckmotor angetrieben wurde, befand sich vorn genügend Platz für diesen „Trick“.

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So ein kraftvoller Heckmotor muss ausreichend gekühlt werden.

 

Weil so auf jeden Fall ausreichend Luft den Kühler durchströmen konnte, benötigte der A5 keinen Kühlergrill mehr. Die Ingenieure konnten daher die gesamte Front als einteilige Schale gestalten, was ebenfalls der Aerodynamik zugutekam. Aus Gewichtsgründen verwendeten sie dafür besonders leichtes Fiberglas.

Eine Rakete auf vier Rädern

Angetrieben wurde der A5 zunächst von einem wassergekühlten Vierzylinder-OHC-Motor mit 1,8 Litern Hubraum, der aus dem ŠKODA 180 RS stammte. Das Aggregat leistete 113 kW (154 PS) bei 6.250 U/min. Das mag nach heutigen Maßstäben nicht unbedingt nach viel klingen. Da das Auto aber großenteils aus Fiberglas, Aluminium und Plexiglas bestand und nur 710 Kilogramm wog, reichte die Leistung, um den A5 auf eine Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h zu beschleunigen.

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Der A5 erreichte je nach Übersetzung eine Höchstgeschwindigkeit von rund 250 km/h!

 

Damit gaben sich die Ingenieure jedoch nicht zufrieden. In Zusammenarbeit mit dem Prager Motor Vehicle Research Institute entwickelten sie einen Vollaluminium-Vierzylinder-Motor mit 1,6 Liter Hubraum und 137 kW (186 PS) bei 8.500 U/min. Maßgeblichen Anteil an der deutlichen Leistungssteigerung hatte auch der 16-Ventil-Zylinderkopf zwei obenliegenden Nockenwellen. In dieser Version erreichte der A5 je nach Übersetzung eine Höchstgeschwindigkeit von rund 250 km/h. Für einen 1,6-Liter-Saugmotor Ende der 1970er Jahre eine fantastische Leistung!