Der erste Champion aus Mladá Boleslav: ein „reisender Schmied“

Der erste Champion aus Mladá Boleslav: ein „reisender Schmied“

Škoda Motorsport feiert in diesem Jahr sein 125-jähriges Jubiläum. Wir lassen wichtige Meilensteine dieser langen und ereignisreichen Geschichte Revue passieren. Heute kehren wir zu den Anfängen zurück, zum ersten Meistertitel, den Václav Vondřich nach Mladá Boleslav holte.

17. 4. 2026 Lifestyle Motorsport

Am 27. Juni 1901 ging Narcis Podsedníček auf einem Motorrad von Laurin & Klement beim Rennen Paris–Berlin an den Start und legte damit den Grundstein für das, was wir heute als Škoda Motorsport kennen. 2026 jährt sich zum 125. Mal der Einstieg der Maschinen aus Mladá Boleslav in den Rennsport: von den ersten Pionieren auf den staubigen Straßen des Österreichisch-Ungarischen Reiches über die Ausdauerhelden bei der Rallye Monte Carlo bis hin zu den heutigen WRC2-Champions, die weltweit antreten. Heute ist allgemein anerkannt, dass Škoda eine erfolgreiche Marke ist. Doch wer sicherte sich den allerersten Titel?

Der erste Champion aus Mladá Boleslav: ein „reisender Schmied“

So begann der Rennsport

Fangen wir ganz von vorne an: Die Unternehmer Václav Laurin und Václav Klement erkannten von Anfang an die Bedeutung des Rennsports. Als sich neben dem Fahrrad auch die Welt der Motorräder entwickelte und sie die optimale Platzierung des Motors im Rahmen herausfanden, mussten sie dies der Welt mitteilen. Und im Motorsport lassen sich Zuverlässigkeit und Leistung am besten unter Beweis stellen.

Der erste erfolgreiche Motorradrennfahrer war der bereits erwähnte Narcis Podsedníček, der seit 1900 bei Laurin & Klement arbeitete und ein Jahr später selbst in den Sattel stieg. Er erreichte das Ziel seines ersten Rennens von Paris nach Berlin als führender Motorradfahrer – einigen Quellen zufolge als einziger. Doch der unerfahrene Podsedníček, allein in einer großen Stadt, konnte seine Ankunft nur von einem Polizisten bestätigen lassen. Da er das Ziel in der Nacht erreichte und keine Offiziellen vorfand, wurde sein Sieg letztendlich nicht anerkannt.

Der erste Champion aus Mladá Boleslav: ein „reisender Schmied“

Nach ihrer Rückkehr machten sich die Gründer daran, ihre Maschinen auf der Grundlage wertvoller Erkenntnisse aus dem Rennen zu verbessern. Podsedníček wurde zu einem angesehenen Motorradexperten und nahm weiterhin regelmäßig an Rennen teil. Er war auch als Ausbilder tätig und brachte unter anderem Graf Alexander Kolowrat das Motorradfahren bei.

Rennen, die sich manchmal über tausend Kilometer erstreckten, wurden bald zu einem festen Bestandteil der Marke, und bis 1903 waren Motorräder aus Mladá Boleslav bei jedem großen Sportereignis nicht mehr wegzudenken – die Fahrer sicherten sich 31 Goldmedaillen bei 33 Starts. Die Begeisterung für den Motorsport strahlt aus den historischen Quellen.

Der erste Champion aus Mladá Boleslav: ein „reisender Schmied“

Rache für die Nägel

1904 fand in der französischen Stadt Dourdan der Gordon-Bennett-Cup statt, das weltweit erste offizielle Motorrad-Nationenrennen. Als Vertreter des Österreichisch-Ungarischen Automobilclubs trat ein gewisser Václav Vondřich an, ein erfahrener Radrennfahrer, der sich für Motorräder begeistert hatte. Ursprünglich war er Feilenhersteller und fiel auch Václav Klement ins Auge, der zu Beginn desselben Jahres einen Vertrag mit ihm abschloss.

Vondřich bestieg somit ein zweizylindriges CCR-5-PS-Modell. Doch sein erster Versuch in Frankreich verlief nicht wie geplant. Einige schelmische Zuschauer sabotierten seine Bemühungen, indem sie Nägel auf die Strecke streuten. Einer davon durchbohrte seinen Reifen, und Vondřich stürzte. Obwohl er sich den Staub abklopfte, das Motorrad reparierte und sogar wieder ins Rennen ging, konnte er die verlorene Zeit nicht mehr aufholen.

Vondřich gab nicht auf und beschloss, noch härter zu trainieren. In der Zwischenzeit wurde in Paris die Fédération Internationale des Clubs Motocyclistes (FICM) gegründet – heute bekannt als FIM. Das Rennen in Dourdan wurde offiziell zu einer Weltmeisterschaft ernannt und Vondřich qualifizierte sich. Er trainierte intensiv, fuhr schnell auf holprigen Straßen und übte Reparaturen.

Der erste Champion aus Mladá Boleslav: ein „reisender Schmied“

Zu diesem Zweck entwickelte er eine geniale Lösung, die man heute als „Simply Clever“ bezeichnen würde: Er ließ sich bei einem Sattler eine Ledertasche anfertigen, um Ersatzteile auf dem Rücken zu transportieren. Dies brachte ihm den legendären Spitznamen „Der reisende Schmied“ ein.

Mit dieser Tasche startete er am 25. Juni 1905 auf einem verbesserten Laurin & Klement CCR-Zweizylinder-Motorrad ins Rennen. Gegen die stärkste internationale Konkurrenz musste er fünf Runden auf einer 54 Kilometer langen Strecke absolvieren. Nach der ersten Runde sah es nicht vielversprechend aus. Léon Demeester, der Sieger des Vorjahres, führte mit einundzwanzig Sekunden Vorsprung. Vondřich reagierte jedoch entschlossen, und am Ende der zweiten Runde lag er vorne. In der vierten Runde hatte Vondřich einen Vorsprung von zwei Minuten.

Vondřich erreichte das Ziel als Erster und feierte den Sieg. Sein Rivale wurde anschließend wegen eines illegalen Radwechsels disqualifiziert. Giosuè Giuppone rückte auf den zweiten Platz vor – wenn auch mit einem Rückstand von dreißig Minuten. Keiner der anderen Teilnehmer beendete das Rennen, und der gut vorbereitete Vondřich übertraf sie letztendlich alle. „Das ist für die Nägel“, muss er sich sicherlich gedacht haben.

Innerhalb eines einzigen Tages wurde Václav Vondřich zum Nationalhelden. Sein Triumph wurde später in dem Buch „Dědeček automobil“ (Oldtimer) verewigt, das 1957 von Alfréd Radok für die Leinwand adaptiert wurde. Václav Vondřich bleibt eine der prominentesten Sportpersönlichkeiten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine Leidenschaft inspiriert bis heute, und Škoda Motorsport führt das Erbe von ihm und anderen Stars jener Ära bis heute fort.

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