Ein Formel-Rennwagen der Extraklasse: der ŠKODA F3

Ein Formel-Rennwagen der Extraklasse: der ŠKODA F3

LIFESTYLE MOTORSPORT 15. 9. 2022

Die Fans der Marke kennen sich gut mit der Motorsporthistorie von ŠKODA aus – und doch ist sie noch umfangreicher, als man sich vorstellen mag. Wussten Sie, dass ŠKODA nicht nur im Rallye-Sport, bei den Tourenwagen und in Le Mans startete, sondern sogar einen Formel-Rennwagen einsetzte?

Die Entwicklung der Formel 3

Der Grand Prix der Tschechoslowakei im September 1949 sollte für lange Zeit das letzte internationale Automobilrennen in dem damals sozialistischen Land sein. Die großen Stars des Grand Prix auf dem Masaryk-Ring waren später an der Gründung der Formel 1 beteiligt. Die heimischen Teams kompensierten fehlende finanzielle Mittel, Materialmangel und einen geringen politischen Willen mit viel Enthusiasmus. Unter einfachsten Bedingungen entstanden einsitzige Rennfahrzeuge, die den Vorgaben der internationalen Formel-Rennen entsprachen.

Die ersten Formel 3-Rennen fanden Ende der 1940er-Jahre statt. Motorseitig kamen erschwingliche Einzylinder-Motorradtriebwerke mit 500 cm3 Hubraum zum Einsatz, die sich in der Folge durchsetzen. 1951 wurde die Serie in „International F3“ umbenannt. Doch schon Ende der 1950er-Jahre debütierte in Italien die modernere Formel Junior mit Serien-Vierzylindermotoren bis 1.100 cm3 Hubraum. Daraus entwickelte sich schließlich am 1. Januar 1964 die klassische Formel 3 mit Fahrzeugen bis 1.000 cm3 Hubraum.

Das erste Formel-Projekt von ŠKODA

Das Monoposto-Projekt von ŠKODA erhielt in Mladá Boleslav die Bezeichnung Š 992 – ein Hinweis auf die technische Verwandtschaft mit dem Typ Š 990, der als neu konstruiertes Modell ŠKODA 1000 MB im Frühling 1964 Serienreife erlangte. Der erste Einsitzer vom Typ Š 992 wurde im Februar 1964 fertiggestellt. Er verfügte über einen Stahlrohr-Gitterrahmen und Einzelradaufhängung, vorne auf Trapez-Halbachsen, hinten mit Fünflenker-Aufhängung. Eine – auch im internationalen Vergleich – fortschrittliche Lösung waren die an beiden Achsen nach innen verlegten Federn und Dämpfer, was sich positiv auf die Aerodynamik des Monopostos auswirkte.

ŠKODA F3, Typ 992
Der ŠKODA F3, Typ Š 992, verfügte über einen Stahlrohr-Gitterrahmen und Einzelradaufhängung an Vorder- und Hinterachse.

 

Über die verstellbaren Stoßdämpfer ließ sich die Bodenfreiheit des Wagens variieren. Längs vor der Hinterachse war ein ŠKODA Reihen-Vierzylindermotor mit OHV-Ventilsteuerung und dreifach gelagerter Kurbelwelle verbaut. Dieser Antrieb wurde in zahlreichen Modifikationen bis 2003 produziert und kam sogar noch in der ersten Generation des ŠKODA FABIA zum Einsatz. Im F3 Monoposto verfügte der Motor mit kürzerem Hub und größerer Bohrung über einen Hubraum von 999 cm3. Zwischen Kupplung und Getriebe befand sich die sogenannte „Zwischenübersetzung“, die es ermöglichte, den Schwerpunkt des Motors zu senken und damit die Gesamtübersetzung dem Charakter der jeweiligen Rennstrecke anzupassen. Der Platz im Cockpit war knapp bemessen – daher wies das kleine Lenkrad nur einen Durchmesser von 300 mm auf.

Stetige Optimierung des kleinen Flitzers

Der Einliter-Motor leistete ursprünglich 53 kW (72 PS) bei 7.250 min-1. Durch eine schrittweise erhöhte Verdichtung und weitere Optimierungen brachte er es in der Saison 1966 auf eine Leistung von 66 kW (90 PS) bei 8.000 Umdrehungen pro Minute, gleichzeitig konnte das Gesamtgewicht um 15 Kilogramm reduziert werden. Während der ŠKODA F3 bei Testfahrten auf dem Flugplatz in Hoškovice Ende 1964 noch eine Spitzengeschwindigkeit von 188 km/h fuhr, erreichte er zwei Jahre später die Marke von 200 km/h.

ŠKODA F3
Der Einliter-Motor des ŠKODA F3 leistete 66 kW (90 PS) bei 8.000 Umdrehungen pro Minute und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h.

 

Zahlreiche Erfolge im Osten

Von Anfang an fuhr der ŠKODA F3 bei den Rennen in Osteuropa in der Spitzengruppe. Die Rennen fanden damals noch auf anspruchsvollen Straßenkursen statt oder führten sogar über innerstädtische Kurse mit Kopfsteinpflaster und Kanaldeckeln. So wurde auch das traditionelle Rennen „Mezi pavilony“ in der Stadt Brünn auf einer improvisierten Strecke zwischen den Pavillons des Messegeländes ausgetragen. 1966 belegten Václav Bobek sen. und Jaroslav Bobek dort mit ihren ŠKODA Boliden die beiden ersten Plätze. Jaroslav Bobek wurde im gleichen Jahr tschechoslowakischer Formel-3-Meister, zwei Jahre später triumphierte sein Teamkollege Miroslav Fousek in der Meisterschaft sozialistischer Länder.

Mit diesen Erfolgen klang die erfolgreiche Karriere der optisch wie technisch gelungenen Monoposti des Typs ŠKODA F3 langsam aus. Bei internationalen Rennen mussten sie sich Ende der 1960er-Jahre immer öfter mit der Konkurrenz aus westeuropäischen Ländern messen. Dennoch: Die ŠKODA Einsitzer schlugen sich erfolgreich in den oft ungleichen Kämpfen und spielen zu Recht eine wichtige Rolle in der Historie des tschechoslowakischen Motorsports.