Autoschlüssel im Wandel der Zeit: Die Zukunft ist ‚Keyless‘

Autoschlüssel im Wandel der Zeit: Die Zukunft ist ‚Keyless‘

UNTERNEHMEN 19. 8. 2022

Lange Zeit öffneten Menschen ihr Auto, indem sie einen Schlüssel im Türschloss drehten. Im Laufe der Zeit verschwand jedoch die Notwendigkeit, einen Schlüssel ins Schloss zu stecken: Die ersten Fernbedienungen kamen auf den Markt, zunächst mit zwei Tasten zum Ver- und Entriegeln, später sogar mit einer separaten Taste zum Öffnen des Kofferraums. Die neuen Autoschlüssel ließen sich handlich in die Hosentasche stecken, denn das Metallteil ließ sich praktisch in den Griff einklappen. Zum Starten des Motors war der Autoschlüssel aber noch erforderlich. Bis eines Tages die ersten schüssellosen Systeme aufkamen: Heute können Sie das Auto öffnen und den Motor starten, ohne den Schlüssel auch nur einmal in die Hand zu nehmen.

Eines hat sich bei den Schlüsseln bisher jedoch nicht geändert, wie Petr Jirásko aus der ŠKODA Entwicklungsabteilung für Seitentür- und Heckklappenmechanismen erklärt: „Auch wenn er von außen nicht mehr sichtbar ist, verfügt jeder ŠKODA über einen klassischen mechanischen Schließzylinder in der Fahrertür. Jeder Schlüssel hat dementsprechend noch einen Schacht mit gefrästen Profilkonturen, der als Reserve in das Schlüsselmodul eingesetzt wird, wenn die Batterie des Schlüssels oder des Autos leer ist und das Auto nicht aus der Ferne entriegelt werden kann." Es sei jedoch nicht mehr lange hin, fügt Jirásko hinzu, dass auch die Notentriegelung rein elektrisch erfolgen könne.

Für physische Schlüssel im Auto ist das Ende also gekommen. Generell gilt nämlich, dass die sogenannten Keyless-Systeme (aus dem englischen: keyless = ohne Schlüssel) einen höheren Schutz vor Diebstahl bieten: Kein Schließzylinder bedeutet ein besser geschütztes Auto. Um eine klassische Tür ohne Keyless-System zu entriegeln, muss das Schloss nämlich einfach nur von der verriegelten in die entriegelte Stellung gebracht werden – und umgekehrt genauso. Im Gegensatz dazu empfängt die Tür beim Entriegeln aus der Ferne ein Signal vom Schlüssel und sendet einen Befehl an den Schlüsselmotor zum Ent- oder Verriegeln.

Was passiert, wenn sich Ihr Auto nicht aufschließen lässt?

In diesem Fall ist wahrscheinlich die Batterie im Schlüssel leer und Sie müssen das Ersatzschlüsselblatt herausziehen, um damit die Fahrertür klassisch zu entriegeln. Wie Sie im Anschluss dann den Motor anlassen, können Sie in der Bedienungsanleitung Ihres Fahrzeugs nachlesen. Bei älteren Keyless-Systemen müssen Sie dafür beispielsweise den Schlüssel neben den Motorstartknopf halten. Der Schlüssel braucht hierfür keinen Strom, sodass der Motor auch dann gestartet werden kann, wenn die Batterie des Schlüssels völlig entladen ist. Schwieriger ist es, wenn sich das Auto nicht aufschließen lässt, weil die Autobatterie leer ist. In solch einem Fall bleibt nichts anderes übrig, als die Fahrertür wie beschrieben zu öffnen und die Batterie wieder aufzuladen.

Die Zukunft ist ‚Keyless‘

Das Gebot der Stunde sind moderne Keyless-Systeme. In ŠKODA Fahrzeugen gibt es bereits zwei Generationen davon. „Bei den älteren Systemen funktioniert die Kommunikation folgendermaßen: Die Person mit dem Schlüssel nähert sich dem Auto, das auf einen Auslöser wartet. Typischerweise ist das das Einführen der Finger in die Griffmulde oder das Drücken der Kofferraumentriegelungstaste. Ein Sensor sendet dann eine Anfrage an das Steuergerät, das die Antennen anweist, die Umgebung des Fahrzeugs nach dem Schlüssel abzusuchen. Diese Antennen haben absichtlich keine große Reichweite und sind deshalb in den beiden Vordertüren untergebracht. Befindet sich der Schlüssel in ihrer Reichweite, senden sie eine positive Rückmeldung an das Steuergerät im Armaturenbrett. Anschließend entriegelt sich das Auto ", erklärt Zdeněk Říha von der Abteilung Karosserieelektronik und Architektur bei ŠKODA.

Mit dem Keyless-System KESSY können Sie Ihr Auto ohne Schlüssel ver- und entriegeln. Dazu müssen Sie nur den vorderen Türgriff, der einen Berührungssensor hat, anfassen.

Die neueren Generationen der Keyless-Systeme, die zum Beispiel in der vierten Generation des ŠKODA OCTAVIA und beim ENYAQ iV zum Einsatz kommen, bieten eine automatische Entriegelungsfunktion. Ist diese aktiviert, werden die Türen automatisch entriegelt, sobald sich der Schlüssel bis auf etwa einen Meter dem Fahrzeug nähert. Das System tastet also aktiv seine Umgebung ab – die Antennen senden zyklisch ein Signal aus und sobald es den "richtigen" Schlüssel erkennt, entriegelt sich das Fahrzeug und schaltet je nach Einstellung die "Willkommens"-Leuchten ein.

Erinnern Sie sich noch daran?

Vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch an den Schlüssel des ersten ŠKODA OCTAVIA. Dieser enthielt eine kleine Glühbirne, die beim Drücken einer Taste als Beleuchtung diente.

Ein weiteres Highlight in der Geschichte der ŠKODA Schlüssel: Für den SUPERB der ersten Generation gab es sowohl einen Standardschlüssel als auch einen Notschlüssel aus Vollkunststoff. „Dieser Schlüssel war völlig wasserdicht und konnte sowohl das Auto entriegeln als auch den Motor starten. Die ŠKODA Kunden waren von dem Schlüssel so überzeugt, dass er immer wieder nachgeordert wurde, solange er als Ersatzschlüssel erhältlich war. Er war einfach praktisch, zum Beispiel im Sommer, wenn man eine Badehose trug", sagt Petr Jirásko.

Alles wie von selbst

Auch der Kofferraum lässt sich ‚keyless‘ mit dem Virtual Pedal öffnen: Halten Sie Ihren Fuß unter den hinteren Stoßfänger, entriegelt und öffnet sich der Kofferraum von selbst.

Mit einem Virtual Pedal lässt sich der Kofferraum dank eines Bewegungssensors unter dem hinteren Stoßfänger freihändig öffnen.

Sobald Sie im Auto sitzen und den Motor starten wollen, wird der Schlüssel erneut überprüft. Dafür muss die Start-/Stopptaste gedrückt werden. Ausnahme von der Regel: Den ENYAQ iV stattet ŠKODA mit einer neuern Version dieses Systems aus, bei dem nicht mal mehr ein Knopfdruck nötig ist. Der Auslöser für den Motor ist in diesem Fall das Bewegen des Wählhebels in die Position D. „Allerdings müssen dafür mehrere Bedingungen erfüllt sein: Der Fahrersitz muss besetzt , der Sicherheitsgurt des Fahrers angelegt und die Bremse natürlich angezogen sein“, erklärt Zdeněk Říha. Auch muss das Auto nicht mehr abgestellt werden – durch Abschnallen und Bewegen des Wählhebels in Stellung P wird der Motor automatisch ausgeschaltet. „Vorerst verriegelt sich das Auto allerdings nicht von selbst, wenn man es mit dem Schlüssel in der Tasche verlässt. Diese Funktion wird gerade erst getestet und ist für die Zukunft geplant", fügt Říha hinzu.

Auch die heutigen Keyless-Autostartsysteme werden bald der Vergangenheit angehören. Bei den ENYAQ iV-Modellen zum Beispiel startet man das Auto, indem man den Wählhebel in die Stellung D bringt.

Apropos Zukunft: Es gibt auch Pläne für die Entriegelung mit einem Mobiltelefon oder einer Smartwatch über UWB-, Bluetooth- und NFC-Technologie. Das könnte in den nächsten Jahren Realität werden. Der Trend für die fernere Zukunft sieht Autos mit allen möglichen Antennen vor. Dabei geht es auch um das Thema Konnektivität, also die Kommunikation mit der umgebenden Infrastruktur, anderen Autos und Verkehrsteilnehmern usw. Das autonome Zeitalter ist im Anmarsch und diese Technologien werden notwendig sein, um uns zum autonomen Fahren der Stufe vier und darüber hinaus zu bringen.

UWB-Box schützt vor Signalverlängerung

Die neue Generation von schlüssellosen Zugangssystemen bietet mit dem Schutz gegen sogenannte „Signalverlängerungen“ ein zusätzliches Sicherheitsmerkmal: Gelegentlich gibt es Berichte über Versuche, geparkte Autos zu stehlen, indem das Öffnungssignal des Schlüssels verstärkt (oder "verlängert") wird. Die neuen OCTAVIA- und elektrischen ENYAQ iV-Modelle verfügen bereits über eine sogenannte UWB-Box, die dies verhindert. UWB steht für Ultra Wide Band, bedeutet, das Gerät funktioniert nach dem Prinzip der Signallaufzeitprüfung. Die UWB-Box sendet in Lichtgeschwindigkeit ein Signal an den Schlüssel und wartet dann auf eine Antwort, die innerhalb einer bestimmten Zeit erfolgen muss. Wird das Signal verlängert, reagiert das Fahrzeug nicht und verhindert damit das Öffnen.

Türen für alle Jahreszeiten

Während sich die Schließsysteme im Laufe der Jahre radikal verändert haben, ist das Grundprinzip der Mechanik der Seitentüren eines Autos im Wesentlichen gleichgeblieben. Was sich hingegen grundlegend verändert hat, ist die Art und Weise, wie heutige Türen der Witterung standhalten. Vor etwa vierzig Jahren waren eingefrorene Schließzylinder und die daraus resultierenden Komplikationen beim Entriegeln des Fahrzeugs oder Schwierigkeiten beim Schließen der Seitenfenster keine Seltenheit – überall drang Wasser ein, und nichts konnte das Einfrieren verhindern.

Die Türen bieten nicht nur Schutz, sondern beleuchten auch den Boden, wenn Sie aussteigen.

Das änderte sich zum Glück in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre, als man sich verstärkt darum bemühte, robuste und wetterfeste Türen zu bauen und dafür zu sorgen, dass das Öffnungs- und Schließsystem unter allen Bedingungen funktioniert. „Im Grunde sind wir heute an dem Punkt angekommen, an dem wir garantieren können, dass es Ihrem Auto nichts ausmacht, wenn es nach einem heftigen Regenguss gefroren hat. Die Türen moderner ŠKODA Modelle haben immer noch ihre Nass- und Trockenbereiche, aber es gab massive Fortschritte bei der Türkonstruktion und den damit verbundenen Mechanismen. Der Hauptunterschied besteht darin, dass viel weniger Wasser in die Nassbereiche eindringt als früher und Wasser von kritischen Bereichen ferngehalten wird. Die Türschlösser und die Bowdenzüge für ihre Betätigung sind so konstruiert, dass Wasser und niedrige Temperaturen ihre Funktion nicht beeinträchtigen", erklärt Simon Jeníček von der Entwicklungsabteilung für Seitentür- und Heckklappenmechanismen bei ŠKODA.

Fernöffnung der Heckklappe des ŠKODA ENYAQ COUPÉ iV.

Die Strukturen einer Tür hängen zum einen von der Epoche ab, in der das Modell entwickelt wurde. Ein anderes Kriterium sind die Sicherheitsanforderungen und Vorschriften der einzelnen Regionen, in die Autos geliefert werden. „Bei einem Auto für Nordamerika unterscheidet sich vielleicht die Dicke der Streben – die amerikanischen Anforderungen sind in dieser Hinsicht strenger als die europäischen", sagt Petr Havelka von dieser auf Türmechanismen spezialisierten Abteilung.

Die Türen des ŠKODA FABIA und des KODIAQ unterscheiden sich hingegen nicht sonderlich. Zwar handelt es sich um unterschiedlich große und schwere Autos mit unterschiedlichen Anforderungen an die mechanische Belastbarkeit, beide besitzen aber Türen mit Scharnieren, Außen- und Innenbleche sowie Verstrebungen im Inneren der Tür, am Griff, den Scharnieren und den Schlössern. Letztere sind beim FABIA, KODIAQ oder SUPERB fast identisch.