Eine Ikone im neuen Look: der Škoda 130 RS

Eine Ikone im neuen Look: der Škoda 130 RS

In diesem Jahr feiert Škoda Motorsport sein 125-jähriges Jubiläum. Grund genug, eine geschichtsträchtige Ikone in ein neues Gewand zu hüllen. Wir zeigen den legendären Škoda 130 RS, nachdem ein Škoda Designer seiner Fantasie freien Lauf lassen durfte.

9. 2. 2026 Unternehmen Innovation

Aymeric Chertier ist Designer durch und durch. Als er im Škoda Museum in Mladá Boleslav um das Exemplar des 130 RS herumgeht, kann er seine Bewunderung nicht verbergen. „Dieses Auto wurde mit einem klaren Ziel vor Augen gebaut. Das sieht man ihm sofort an“, sagt Chertier. „Es sollte schnell sein, und entsprechend wurde es auch konstruiert und gebaut. Alles dient diesem Zweck: die Karosserieform, der Überrollbügel, die Sitze, die gesamte Anordnung des Innenraums. Alles wurde mit Blick auf die Funktion geschaffen, damit dieses Auto das schnellste sein würde.“ Es ist offensichtlich, dass Chertier Autos liebt, die einen klar definierten Zweck und eine klare Funktion haben. Entsprechend ist die Mitarbeit an der Neugestaltung des 130 RS eine Herzensangelegenheit für den Designer.

„Es ist diese Essenz, dieser Zweck, den ich in meine moderne Interpretation des 130 RS zu übertragen versucht habe“, erklärt Chertier. Während seines Studiums lernte er, intensiv über die Essenz eines Produkts nachzudenken. „Die industrielle Realität ist etwas pragmatischer. Unsere Produkte sind das Ergebnis von Kompromissen und berücksichtigen das Risiko, das mit den enormen Investitionen in sie verbunden ist. Die Investition muss sich einfach auszahlen“, beschreibt er die Prinzipien seiner täglichen Arbeit. Mit seiner modernen Interpretation des 130 RS konnte er jedoch seiner Fantasie freien Lauf lassen und ein Auto schaffen, das Leidenschaften weckt und ein echter Sportwagen ist, so wie das Original aus den 1970er Jahren.

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Chertiers Interpretation des 130 RS ist daher mehr als nur eine stilvolle Studie, die mit ihrem Retro-Design Aufsehen erregen will. „Zu seiner Zeit war der 130 RS ein Auto, das viele Barrieren durchbrach und völlig außergewöhnlich war“, sagt Chertier. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn der 130 RS war ein Produkt der damaligen kommunistischen Tschechoslowakei und brach aus den Grenzen des kommunistischen Blocks aus. Der internationale Erfolg des Autos brachte ihm den Spitznamen „Der Porsche des Ostens“ ein.

Tragende Struktur

Das Außendesign der Studie orientiert sich am Originalmodell. „Ich wollte das Originalauto auffrischen, nicht verändern“, sagt Chertier. „Ich habe seine Essenz und seine charakteristischen Linien beibehalten und bestimmte Details hinzugefügt, die wir beispielsweise von modernen Autos aus der Rallye-WM kennen“, erklärt der Designer den Retro-Look in Kombination mit den markanten, muskulösen Formen seines Autos.

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Während die Neuinterpretation des 130 RS von außen der Tradition treu bleibt, ist die Studie innen innovativ und durchbricht Grenzen. Chertier entwarf einen brandneuen Überrollbügel, der Teil der Grundstruktur des Autos ist. „Es handelt sich nicht um einen angeschraubten Sicherheitskäfig, sondern um einen integralen Bestandteil des Fahrwerks. Die Struktur hält den gesamten Innenraum, stützt das Armaturenbrett, die Sitze und Türen und umschließt den Schalthebel”, sagt er. „Ich wollte nicht mit einem schönen und exotischen Innenraum protzen. Von Anfang an habe ich etwas mit einer Funktion und einem klaren Zweck geschaffen“, betont der Designer.

Ein weiterer Teil des Konzepts ist das innovative Armaturenbrett, das im Grunde genommen ein großes Display mit drei verschiedenen Informationsbereichen ist. Vor dem Fahrer befinden sich die traditionellen Anzeigen für Geschwindigkeit, Drehzahl und weitere wichtige Parameter. Im mittleren Bereich werden detailliertere Informationen wie die Temperatur der Fahrzeugflüssigkeiten, die Motorleistung oder Navigationsdaten angezeigt. Und rechts vor dem Beifahrersitz befindet sich ein Bereich für zusätzliche Informationen, wie beispielsweise das Bild der Rückfahrkamera.

Škoda 130 RS

Er ist einer der erfolgreichsten Škoda Rennwagen und basiert auf dem serienmäßigen Škoda 110 R Coupé. Der 130 RS wurde jedoch zahlreichen Modifikationen unterzogen, darunter Verstärkungsstreben und ein Überrollbügel, Aluminiumkarosserieteile und ein 1.289 ccm großer Motor, der auf über 100 kW getunt wurde. Der Škoda 130 RS gewann regelmäßig Rennen in seiner Klasse, belegte aber auch Spitzenplätze in der Gesamtwertung bei Rallyes und Rundstreckenrennen. Zu seinen größten Erfolgen zählen der Klassensieg bei der Rallye Monte-Carlo 1977 und der Gewinn der Europameisterschaft im Tourenwagen-Rennsport 1981. Von 1975 bis 1980 wurden rund 200 Škoda 130 RS gebaut.

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Stift und Papier immer dabei

Chertier brauchte mehrere Stunden, um das Grundkonzept des Designs zu entwerfen. Danach folgte die Arbeit an den Details. „Ich bin ein bisschen altmodisch: Ich mache alles mit Stift und Papier. Ich skizziere schnell die Grundarchitektur und feile dann an den Proportionen und einzelnen Linien“, beschreibt der Designer seine Arbeitsweise. Erst spät digitalisierte er seine Idee. „Am Computer füge ich Farben zum Projekt hinzu, damit es für die breite Öffentlichkeit leichter verständlich ist“, sagt er und betont, dass er im Grunde die ganze Zeit weiß, wie das fertige Produkt aussehen wird. Wenn etwas nicht genau so wird, wie er es sich vorgestellt hat, oder wenn seine Vorgesetzten wollen, dass er etwas überarbeitet, greift er wieder zu Stift und Papier. „Das ist vielleicht weniger effizient, aber so kann ich am besten denken und kreativ sein“, lacht er.

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Chertier bleibt realistisch, was seine Studie angeht. „Auch wenn meinen Vorgesetzten und mir die Vision gefällt, wird sie eine Vision bleiben. Die Škoda Designstudien, die wir der Öffentlichkeit präsentieren, haben immer einen Bezug zu etwas, das wir gerade vorbereiten“, erklärt er und findet es okay, dass sein moderner Škoda 130 RS auf dem Papier bleiben wird. „Aber es wäre schön, wenn ich wieder der Realität entfliehen und zumindest ein kleines Modell bauen könnte“, träumt Chertier.

Hinweis: Dieser Artikel wurde im englischsprachigen Škoda Storyboard zum ersten Mal am 12. Januar 2021 veröffentlicht.

Aymeric Chertier

Der Designer mit spanischen und französischen Wurzeln zeichnete schon seit seiner frühen Kindheit Autos und absolvierte in der Sekundarschule ein Praktikum bei einem Automobilhersteller. Später studierte er an der französischen Strate School of Design. Seine erste Stelle bei einem Automobilhersteller trat er 2011 an. Drei Jahre später lernte er bei SEAT das Umfeld des VW Konzerns kennen und wechselte später zu Škoda Design. Er spielt Gitarre und Klavier, beschäftigt sich mit Holzarbeiten und liebt Architektur, wobei Le Corbusier und Santiago Calatrava zu seinen Lieblingsarchitekten zählen.

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