Wie der Škoda Octavia 365 km/h erreichte

Wie der Škoda Octavia 365 km/h erreichte

In den 30 Jahren seit seiner Markteinführung hat der moderne Škoda Octavia zahlreiche bemerkenswerte Meilensteine erreicht. Eine Leistung sticht jedoch besonders hervor. Wir blicken zurück auf das Jahr 2011 und erzählen die Geschichte eines faszinierenden Geschwindigkeitsrekords, den ein modifizierter Octavia auf den Bonneville Salt Flats aufstellte.

14. 8. 2026 Unternehmen

In prähistorischer Zeit war das Gebiet des heutigen US-Bundesstaats Utah von einem riesigen Salzwassersee bedeckt, dem Lake Bonneville. Heute sammelt sich dort in den Frühlingsmonaten nur noch wenig Wasser, das im Sommer verdunstet. Der Wind glättet anschließend die verbliebenen Unebenheiten. So entsteht eine riesige, von einer harten Salzkruste bedeckte Fläche. Ihre außergewöhnlich ebene Oberfläche und enorme Ausdehnung haben die Bonneville Salt Flats zu einem legendären Schauplatz für Geschwindigkeitsrekorde gemacht. Im Laufe der Jahre wurden dort zahlreiche Bestmarken aufgestellt – eine davon hält bis heute Škoda. Vor 15 Jahren erreichte ein Octavia RS hier eine Geschwindigkeit von 367,97 km/h.

Die Idee, einen Octavia für extreme Geschwindigkeiten vorzubereiten, entstand im Kommunikationsteam des britischen Škoda Importeurs. Anlass war das zehnjährige Jubiläum der RS Performance Modelle, die im Vereinigten Königreich als vRS vermarktet werden. Das Ziel: Mit einem Fahrzeug mit 2,0-Liter-Motor auf den Salzflächen die Marke von 200 mph (320 km/h) zu knacken. Damit trat der Octavia in der Klasse G/PS (Gas/Production Supercharged) an, in der der damalige Rekord bei 216 mph (348 km/h) lag.

Der „Bonneville Special“ basierte auf einem serienmäßigen Škoda Octavia RS, der ursprünglich als Pressefahrzeug vorgesehen war. In Milton Keynes wurde er gemeinsam mit dem Tuning-Spezialisten Revo Technik zum Anwärter auf den Geschwindigkeitsrekord umgebaut. Um die Höchstgeschwindigkeit gegenüber dem Serienmodell um mehr als 100 km/h zu steigern, waren umfangreiche Modifikationen und eine deutliche Leistungssteigerung nötig. Motorblock, Kolben und Kurbelwelle blieben jedoch unverändert und entsprachen weiterhin den Komponenten des Serienfahrzeugs.

Ein größerer Garrett Turbolader und ein optimiertes Kraftstoffeinspritzsystem steigerten die Leistung auf mehr als 600 PS. Zusätzlich kam ein Getriebe aus der besonders sparsamen Octavia GreenLine Variante zum Einsatz, dessen längere Übersetzung eine höhere Endgeschwindigkeit ermöglichte. Auch die Kühlung wurde verbessert, während eine deutliche Gewichtsreduzierung einen weiteren wichtigen Beitrag leistete. Im Innenraum erinnerte abgesehen von der Form des Armaturenbretts kaum noch etwas an das Serienmodell. Stattdessen präsentierte sich der Octavia als konsequent auf den Renneinsatz ausgelegtes Fahrzeug mit Sicherheitsüberrollkäfig und Feuerlöschern.

Äußerlich unterschied sich das fertige Fahrzeug überraschend wenig vom Serienmodell und wirkte auf den ersten Blick beinahe straßentauglich. Die auffälligsten Merkmale waren die aerodynamischen Radabdeckungen, geglättete Karosserieöffnungen zur Optimierung des Luftstroms und natürlich der am Kofferraumdeckel montierte Fallschirm. Er diente bei hohen Geschwindigkeiten als wichtigstes Mittel zur Verzögerung, während die herkömmliche Bremsanlage erst zum vollständigen Abbremsen und zum Manövrieren des Fahrzeugs zum Einsatz kam.

Nachdem die Vorbereitungen abgeschlossen waren, machte sich der Wagen gemeinsam mit dem Team von Škoda UK auf den Weg zu den Bonneville Salt Flats, um an der legendären „Bonneville Speed Week“ teilzunehmen. Dort werden Rekordversuche unter der Aufsicht der SCTA (Southern California Timing Association) ausgetragen. Am Steuer saß der britische Motorjournalist Richard Meaden. Bereits am 15. August, bei der sechsten Fahrt des Octavia, knackte er die begehrte Marke von 200 mph. Da noch vier Wettkampftage bevorstanden, setzte sich das Team ein neues Ziel: den absoluten Rekord in seiner Klasse.

Auch dieses Vorhaben gelang. Am Freitag, dem 19. August, wurde der Škoda Octavia vRS Bonneville Special offiziell zum schnellsten Serienfahrzeug mit 2,0-Liter-Turbomotor auf den Bonneville Salt Flats. Für den Rekord zählten zwei Läufe am Donnerstag und Freitag; gewertet wurde die Durchschnittsgeschwindigkeit beider Versuche. Sie lag bei 365,45 km/h. Die höchste während des gesamten Programms gemessene Geschwindigkeit war sogar rund drei km/h höher.

Meaden erinnert sich an den Rekordversuch in Bonneville: „Auf den Salzebenen zu fahren, war ein wahr gewordener Traum. Es fühlte sich immer wie ein Privileg an, mit Vollgas über das Salz rasen zu dürfen. Zu wissen, wie viel Leidenschaft und harte Arbeit nötig waren, um den Octavia zur Speed Week zu bringen, machte dieses Erlebnis umso besonderer. Ich bin unglaublich stolz auf das, was wir gemeinsam erreicht haben, und werde nie vergessen, wie es sich angefühlt hat, einen Rekord zu brechen und Teil einer so außergewöhnlichen Gruppe von Menschen zu sein.“

Nach diesem außergewöhnlichen Abenteuer kehrte der Octavia nach Großbritannien zurück und wurde dort Teil einer Sammlung. Anfang dieses Jahres reiste er in die Tschechische Republik. Nach einem kurzen Auftritt auf der Rennstrecke von Sosnová fand er vorübergehend seinen Platz in der Hauptausstellung des Škoda Museums in Mladá Boleslav – als Teil einer Sonderausstellung zum 125-jährigen Jubiläum von Škoda Motorsport.